Presse

Automatische Substitution: Kleine Unschärfe behoben – große Fragezeichen bleiben

  • Der Gemeinsame Bundesausschuss (G‑BA) korrigiert: Biosimilar sind wirkstoffähnlich in Bezug auf ihr Referenzarzneimittel.
  • Zuvor wurden Biosimilars als wirkstoffgleich definiert. Das hatte das Bundesgesundheitsministerium beanstandet.
  • Trotz dieser Korrektur bleiben entscheidende Fragen offen, wie der geplante automatische Austausch von Biosimilars in Ausschreibungen von parenteralen Zubereitungen funktionieren soll. Eine Abwanderung der Hersteller ist zu befürchten.

Berlin — Biosimilars sind in Bezug auf ihre Referenzarzneimittel wirkstoffähnlich und nicht wirkstoffgleich. Das sagt schon der Name (similar = ähnlich). Der Gemeinsame Bundesausschuss (G‑BA) musste sich auf Drängen des Bundesgesundheitsministeriums nun korrigieren. Doch es bleiben viele Fragezeichen zur Umsetzbarkeit der automatischen Substitution von parenteralen Zubereitungen, die auch der heutige Beschluss des G‑BA nicht auflöst.

Trotz der erfolgten Korrektur bleibt die Automatische Substitution eine Gefahr für die Versorgungssicherheit mit Biopharmazeutika in Deutschland. Denn der damit geschürte Kostendruck führt zu einem Rückzug der Hersteller. Weitere Gründe, warum es die automatische Substitution nicht braucht finden Sie hier.

„Der Zug rast weiterhin in die falsche Richtung“, sagt Walter Röhrer (Vorsitzender der AG Pro Biosimilars). „Die Politik begeht die gleichen Fehler wie damals bei den Generika. Wo uns das hingeführt hat, sehen wir heute an den Lieferengpässen.

Das gefährdet – völlig ohne Not – ein noch funktionierendes System. Gleichzeitig beteuert die Politik die Wichtigkeit des Biopharmazie-Standorts Deutschland. Damit macht sie sich unglaubwürdig. Wir brauchen Vertrauen in die Branche – und keine strukturschwächenden und versorgungsgefährdenden Maßnahmen.“

16.11.2023

News

“So leben wir mit Rheuma und Psoriasis!”

Lynne hat Rheuma, Michael leidet unter Psoriasis (Schuppenflechte). Die Krankheit warf sie aus ihrem Leben — bis sie die richtige Therapie erhielten.

Hier sprechen sie über ihre Erkrankung, ihre Behandlung — und darüber, wie sie durch hochwirksame Biopharmazeutika ihren Alltag zurück erhielten.

Lynne hat Rheuma und macht Leistungssport

Als Lynne zum ersten Mal die Schmerzen spürte, dachte sie sich nichts dabei. Muskelkater vielleicht oder noch Wachstumsschmerzen. Als sie länger anhielten, hatte ein Arzt eine andere Erklärung. Sicherlich eine unbemerkte Verletzung beim Judo.

Lynne

Rheuma-Patientin

Seit ich Biopharmazeutika bekomme, hat sich mein Alltag um 180 Grad gedreht. Wer mich heute sieht, würde denken, dass ich völlig gesund bin.

Zunächst bekam Lynne Schmerzmittel. Sonst nichts.

Darauf, dass Lynne Rheuma haben könnte, kam niemand. Das war doch eine Krankheit für alte Menschen. Nicht für einen jungen sportlichen Teenager, wie Lynne damals war. “Ich lief ein paar Jahre lang von Arzt zu Ärztin”, erzählt die Medizin-Studentin aus München. “Ich bekam Schmerzmittel, aber keine Diagnose. Als ich sie irgendwann doch noch erhielt, war ich fast ein bisschen erleichtert.”

Heute lebt Lynne mit ihrer chronischen Erkrankung. Ihre Gelenke sind nicht mehr entzündet und schmerzen nicht mehr. Denn ihre Rheumatologin behandelte sie recht früh mit einem Biopharmazeutikum. Ein Mittel, das ihr überschießendes Immunsystem herunter regulierte und die Entzündungprozesse hemmte. Für Lynne war das eine Revolution. “Das änderte mein Leben”, sagt sie. “Oder, besser noch, es gab mir mein Leben zurück.”

Biopharmazeutika brachten Lynne ihren Alltag zurück

Vorbei ist seitdem die Zeit der unvorhersehbaren Schübe, von denen sie nie wusste, wann sie kommen, wie lange sie andauern und welche Körperteile sie treffen würden. Vorbei die Zeit der Schmerzen, die nicht nur das Gehen schmerzhaft machten, sondern auch das Sitzen und sogar das Liegen.

In diesem Film erzählt Lynne ihre ganze Geschichte. Und sie verrät, wovon sie träumt. Nun, da sie wieder am Leben teilnimmt, wie Millionen anderer junger Frauen auch. Wo sie sorglos reisen und Sport machen — und sogar Ärztin werden kann.

Michaels Leben mit Schuppenflechte: Endlich frei!

Irgendwann ging es nicht mehr. Über Jahre war die Krankheit im wahrsten Sinne des Wortes an ihm hochgekrochen. Als drei Viertel seines Körpers von der Schuppenflechte befallen waren, musste sich Michael verrenten lassen. Seinen Traum-Job bei der Bahn, er konnte ihn nicht mehr machen. Die Krankheit füllte sein Leben aus und machte die Arbeit unmöglich.

Michael

Psoriasis-Patient

Innerhalb weniger Wochen war fast die gesamte Schuppenflechte verschwunden. Ich konnte wieder Schwimmen gehen, Urlaub planen und Pläne machen.

Verrentet und austherapiert — wie sollte es weiter gehen?

“Jahrelang hatte ich die Symptome mit Tinkturen bekämpft”, erzählt der Hamburger. “Bis tief in den Abend war ich mit Eincremen beschäftigt. Irgendwann war ich austherapiert. Mein Arzt konnte nichts mehr für mich tun und ich hatte keine Vorstellung davon, wie es weitergehen sollte.”

Auch Psoriasis ist eine chronisch entzündliche Krankheit, die in Schüben auftritt und dafür sorgt, dass sich an wenigen oder auch vielen Stellen rötliche, schuppende Hautveränderungen bilden, die stark jucken und das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen können.

Das Schicksal vieler Psoriasis-Patient:innen: Einsamkeit und Isolation

“Viele Patientinnen und Patienten mit Schuppenflechte leben sehr vereinsamt”, erzählt Michael. “Und auch ich habe mich zurückgezogen und bin z.B. nicht mehr ins Schwimmbad gegangen.”

Als kein Medikament mehr wirkte, versuchte es sein Arzt mit Biopharmazeutika. Drei Versuche mit unterschiedlichen Wirkstoffen scheiterten. Erst beim vierten Anlauf klappte es. Und der ist heute 15 Jahre her.

Das Biopharmazeutikum wirkte, die Symptome verschwanden

“Rückblickend war es der Wahnsinn”, erzählt Michael heute. “Innerhalb weniger Wochen war die Schuppenflechte fast gänzlich verschwunden. Plötzlich war alles wieder möglich: Schwimmen gehen, Urlaub planen, Zeit haben. Ich brauchte mir nur noch alle zwei Wochen eine Spritze zu setzen — und war ansonsten gesund.”

In diesem Film erzählt Michael seine Geschichte. Wie er sich fast aufgegeben hat und durch ein Arzneimittel neuen Mut — und sein altes Leben beinahe gänzlich zurückgewonnen hat.

Biopharmazeutika-Therapien für alle — das Versprechen der Biosimilars

Biopharmazeutika sind moderne, biotechnologisch hergestellte Arzneimittel, die bei schweren und lebensbedrohlichen Erkrankungen eingesetzt werden.

Sie wirken gegen Krebs, Rheuma oder Psoriasis. Ihre Bedeutung ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen.

Die Herstellung von Biopharmazeutika ist komplex, die Behandlung teuer. Mit Ablauf des Patentschutzes gelangen oft Nachahmerpräparate auf den Markt.

Diese sind günstiger. So erhalten mehr Menschen Zugang zu einer modernen Biopharmazeutika-Therapie.

Biosimilars sorgen dafür, dass alle mit Biopharmazeutika behandelt werden können, die es brauchen.

Was sind Biosimilars?

Wie werden Biosimilars hergestellt, was unterscheidet sie vom Original und wer bestimmt, ob Patient:innen ein Biosimilar bekommen oder das Original? Fragen wie diese haben wir hier für Sie beantwortet.

Lesen Sie mehr
Was ist ein Biosimilar
Positionen

Politischer Fehler mit schweren Folgen?

Warum es die automatische Substitution nicht braucht

Keinen Nutzen, hohe Risiken: Mehr Einsparungen sind bei Biosimilars nur auf Kosten der Versorgungssicherheit zu haben.

Biotechnologisch hergestellte Arzneimittel sollen laut Gesetz in der Apotheke gegeneinander ausgetauscht werden. Bisher entscheiden Arzt oder Ärztin, ob eine Patientin oder ein Patient das Originalprodukt oder das gleichwertige, aber günstigere Biosimilar bekommt. Die automatische Substitution ändert das. Warum eigentlich?

Substitution von Biosimilars: Status quo funktioniert (noch)

Das System der Biosimilars funktioniert: Es gibt maximale Versorgungssicherheit und gleichzeitig sorgen sie für massive Einsparungen. Der durch sie entstandene Wettbewerb führt dazu, dass die Preise sinken. Biosimilars kommen immer schneller in die Versorgung und sind fast alle unter Rabattvertrag.

Diese Balance greift die automatische Substitution an. Um noch höhere Einsparungen zu erzielen, wird die Versorgungssicherheit aufs Spiel gesetzt. Dabei sollte das Beispiel der Generika eigentlich als Warnung dienen.

Walter Röhrer, Vorsitzender der AG Pro Biosimilars

Walter Röhrer

Vorsitzender der AG Pro Biosimilars

Die Politik wiederholt die gleichen Fehler wie bei den Generika – während sie gleichzeitig versucht, diese Fehler bei den Generika wieder rückgängig zu machen. Das ist weder wirtschaftlich noch nachvollziehbar.

Biosimilars führen schon jetzt zu massiv sinkenden Preisen

Wo immer Biosimilars auf den Markt gelangen, sinken die Kosten für die betreffenden Wirkstoffe. Nicht nur weil Biosimilars günstiger sind als das Originalpräparat. Sie bewirken auch, dass der Hersteller des Originals seinen Preis senkt.

Seit 2014 sind insgesamt 7,6 Milliarden Euro Einsparungen durch Biosimilars erzielt worden.

Bestes Beispiel ist der einstige Blockbuster Humira® (Wirkstoff: Adalimumab). Hier kostet eine Tagestherapiedosis im Dezember 2023 mehr als die Hälfte weniger (genau: 44 Prozent) als noch vor Ablauf des Patents.

So steigen die Einsparungen durch Biosimilars von Jahr zu Jahr:

BIOSIMILARS werden immer häufiger verschrieben – und sichern so die Versorgung

Zu Beginn war das Tempo, in dem ein Biosimilar den Markt durchdringt, noch verhalten. Aber mit jedem Biosimilar, das auf den Markt kommt, geht es schneller. Mittlerweile machen Biosimilars in ihren Indikationen rund zwei Drittel der Verordnungen aus.

Blickt man auf die Jahre der Markteinführung, erkennt man die Dynamik: Während die Biosimilars mit dem Wirkstoff Infliximab (eingeführt 2015) nach einem Jahr gerade mal 22 Prozent Marktanteil hatten, erreichten die Biosimilars mit dem Wirkstoff Adalimumab (eingeführt 2018) im gleichen Zeitraum 53 Prozent.

Der Grund: Im Laufe der Jahre haben Ärztinnen und Ärzte gute Erfahrungen mit Biosomilars gemacht und sie häufiger verschrieben.

90 Prozent der Biosimilars sind bereits unter Rabattvertrag

Rabattverträge kommen nicht nur bei Generika zum Einsatz. Sie umfassen längst auch die Biosimilars.

Sie sind ein effizientes Instrument zur Kostensenkung, wenn sie vernünftig und behutsam zum Einsatz kommen. Bei dieser Vertragsart gewähren die Hersteller den Krankenkassen Rabatte auf ihre Preise und erhalten dafür gesicherte Marktanteile.

So sind derzeit schon 90 Prozent der abgegebenen Biosimilar-Packungen unter Rabattvertrag.

Indem sie die automatische Substitution einführt, ermöglicht es die Politik den Krankenkassen, auch exklusive Rabattverträge mit den Herstellern abzuschließen. Dies führt zu noch höheren Rabatten und Marktanteilen, ist aber gleichzeitig riskant.

Denn bei exklusiven Rabattverträgen ist nur ein einziger Hersteller für die Versorgung aller Versicherten verantwortlich und nicht — wie es derzeit der Fall ist — mehrere.

Fast alle abgegebenen Packungen von Biosimilars stehen unter Rabattvertrag: 90 Prozent.

Bei den Biosimilars gibt es bereits Rabattverträge. Die mit der automatischen Substitution geplanten exklusiven Rabattverträge gefährden ein funktionierendes System mit gesundem Wettbewerb.

Wieso ist die automatische Substitution gefährlich?

Die automatische Substitution macht exklusive Rabattverträge möglich. Das verschärft den Kostendruck massiv, denn dann erhält nur der billigste Hersteller den Zuschlag der Krankenkassen. Die anderen wandern ab. Es macht die Versorgung unsicher und schwächt den europäischen Biosimilar-Standort .

Weniger Anbieter = unsichere Versorgung

Biosimilars stehen für maximale Versorgungssicherheit, denn ihre Produktionsstätten sind sehr diversifiziert. Sie verteilen sich über den gesamten Globus und haben einen besonders starken Standort in Europa. Kam es in der Vergangenheit zu vorübergehenden Lieferengpässen, konnten deshalb andere Biosimilars-Hersteller einspringen und die Versorgung sichern.

Der europäische Marktanteil der in Deutschland benötigten Biosimilars (in Tagestherapiedosen) liegt derzeit bei 56 Prozent.

Seit einigen Jahren aber entstehen auch in Asien große Produktionsstätten und übernehmen mehr und mehr die Produktion von hierzulande benötigten Biosimilars.

Fest steht: Die Vielfalt der Produktionsstandorte ist ein Garant für resiliente Lieferketten und eine verlässliche Versorgung der Patientinnen und Patienten.

Herstellungsstaetten Biosimilars

Wie bei Generika: Gefahr von Lieferengpässen steigt

Die automatische Substitution soll noch höhere Einsparungen bringen. Sie macht es möglich, dass die Krankenkassen exklusive Rabattverträge mit den Herstellern abschließen können.

Das setzt einen gefährlichen Teufelskreis in Gang:

Dass exklusive Rabattverträge gefährlich für die Versorgungssicherheit sind, zeigt die Entwicklung bei Generika. Hier hat der enorme Kostendruck zur Abwanderung der Produktion nach China und Indien geführt. Es sind globale Lieferketten entstanden, die immer effizienter und gleichzeitig immer störanfälliger wurden.

Die Folge der automatischen Substitution bei Generika sind immer wieder Lieferengpässe, die sich zuweilen bereits zu Versorgungsengpässen ausgeweitet haben.

Den Preis für die niedrigen Preise von Generika zahlen vor allem die Patientinnen und Patienten, die wichtige Medikamente mit Verzögerung oder gar nicht erhalten.

Mit der automatischen Substitution von Biologika würde man denselben Irrweg beschreiten.

Walter Röhrer, Vorsitzender der AG Pro Biosimilars

Walter Röhrer

Associate Director Market Access Biosimilars, Biogen GmbH und Vorsitzender AG Pro Biosimilars

Die Politik bewegt sich auf denselben Teufelskreis zu, in den sie auch bei Generika geraten ist. Ein Kreislauf, der mit dem Wunsch nach Einsparungen beginnt, das Instrument der Exklusivverträge benutzt, die Abwanderung riskiert — und dann erkennt, dass der Kostendruck wieder abgeschwächt werden muss.

Wieso raten alle Expert:innen von der automatischen Substitution ab?

Wenn Ärzt:innen nicht mehr darüber entscheiden, welches Präparat eine Patient:in erhält, ist die Therapiesicherheit in Gefahr. Deshalb sprechen sich Ärzte, Apothekerinnen und Vertreter der Patientenschaft gleichermaßen gegen die automatische Substitution aus.

Therapien sind gefährdet

Die Ärzteschaft sieht vor allem im möglicherweise auftretenden Nocebo-Effekt ein großes Problem. Dazu kann es kommen, wenn der Patient oder die Patientin nicht von der Wirksamkeit eines Arzneimittels überzeugt ist. Der Nocebo-Effekt stellt eine große Gefahr für den Erfolg der Therapien dar.

Institutionen wie etwa die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) sehen dieses Problem vor allem dann, wenn Arzt oder Ärztin zu dem von ihnen verordneten Arzneimittel nicht mehr beraten können.

Nur wenn ein Medikament vom Patient verstanden wird, kann es erfolgreich verabreicht werden, sagte ihr Vorsitzender Prof. Dr. Wolf-Dieter Ludwig auf einer Veranstaltung der AG Pro Biosimilars im Februar 2022 und sprach sich entschieden gegen die automatische Substitution aus: „Der Austausch braucht ärztliche Beratung.

Und wenn ein Patient oder eine Patientin hört, dass er aus wirtschaftlichen Gründen ein günstigeres Präparat erhält — ohne dass ihm Arzt oder Ärztin vorher erklärt hat, dass dies problemlos möglich ist — dann wird er skeptisch und möglicherweise dieses Arzneimittel ablehnen. Und dann kann es Nocebo-Effekte geben. Das haben wir in Studien oft genug gesehen.”

Prof. Dr Wolf-Dieter Ludwig

Vorsitzender Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft

Für alle die, die sich für Biosmilars eingesetzt haben, wäre die automatische Substitution eine Niederlage. Wir sollten das dringend benötigte Einsparpotential nicht gefährden durch Aktionismus, der ihren Erfolg gleich wieder in Frage stellt.

Patientinnen und Patienten wollen, dass Arzt oder Ärztin weiter entscheiden

Die Patientenschaft lehnt die automatische Substitution ebenfalls strikt ab. Auch sie sieht die Therapie durch mögliche Nocebo-Effekte oder Therapieabbrüche gefährdet.

Wenn Patientinnen und Patienten ohne Aufklärung einfach ein anderes Präparat bekämen, weil es günstiger sei, könnten Fehler bei der Verabreichung passieren, kritisierte Dr. Martin Danner, Vorsitzender der Patientenvereinigung BAG-Selbsthilfe auf derselben Veranstaltung:

„Die automatische Substitution gefährdet den Erfolg von Therapien – einfach, weil das System Geld sparen will.“

Biosimilars sind keine Generika

Der Grund, warum Biopharmazeutika nicht analog zu Generika behandelt werden dürfen, liegt für viele darin, dass sie sich deutlich von diesen unterscheiden.

Bei Biosimilars handelt sich um komplexere Arzneimittel, deren Anwendung (z. B. mit einem Pen) voraussetzungsreicher ist. Das macht — etwa aus dem Blickwinkel der Apothekerinnen und Apotheker — einen erhöhten Beratungsbedarf erforderlich.

Dr. Kerstin Kemmritz, Präsidentin der Apothekerkammer Berlin, betonte deshalb im Februar 2022 den Unterschied der beiden Arzneimittelarten: Während Generika problemlos auf Apothekenebene ausgetauscht werden können, sei dies bei Biosimilars nicht so einfach.

„Bei den Biologika haben wir es mit speziellen Arzneiformen zu tun, die erklärt und geübt werden müssen,” so Kemmritz.

Was bedeutet die automatische SUbstitution für die Versorgung?

Wie die automatische Substitution abläuft, was soll sie bringen soll — und welche Folgen sie für Patientinnen und Patienten haben kann, erklärt dieser Film!

Das spricht gegen die automatische Substitution

Preisdruck schwächt die Versorgungssicherheit. Walter Röhrer, Vorsitzender der AG Pro Biosimilars, spricht darüber, dass die Politik hier den Generika-Fehler ein zweites Mal macht.

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Walter Röhrer, Vorstand AG

Veranstaltungen

Vorbild in Europa: Der deutsche Biosmilar-Markt funktioniert!

In Bezug auf Biosimilars hat Deutschland in Europa eine Vorreiterrolle eingenommen. Das sagte Julie Maréchal-Jamil, Director Biosimilar Policy & Science beim europäischen Generika- und Biosimilars-Verband Medicines for Europe, bei einer Podiumsdiskussion der AG Pro Biosimilars im Rahmen des BMC-Kongress 2021.

Julie Maréchal-Jamil

Director Biosimilar Policy & Science (Medicines for Europe)

„Wir haben ein EU-Barometer mit Kriterien entwickelt, die die Nachhaltigkeit des Wettbewerbs auf dem Biosimilar-Markt bestimmen. Von diesen 15 Kriterien sind 11 in Deutschland auf einem optimalen oder nahezu optimalen Niveau.“

Das Thema der Veranstaltung lautete: Biosimilarmärkte im europäischen Vergleich – behält Deutschland seine Vorreiter-Rolle?

Ausgangspunkt der Diskussion war die Lage zu Beginn des Jahres 2021: Gesundheitspolitisch würde vor allem nötig sein, die Pandemie erfolgreich zu bekämpfen — und zu sparen! Covid-19, so Moderator Dr. Stephan Balling in seiner Einführung, habe die europäischen Gesundheitssysteme schwer belastet, Milliardendefizite müssten gedeckt werden – und Deutschland stehe dabei noch vergleichsweise gut da.

Mit Blick auf die Biosimilars sagte Balling: “Durch Biosimilars generierte, massive Einsparungen entlasten unser Gesundheitssystem bereits heute spürbar. Weitere Einsparungen verspricht sich die deutsche Politik offenbar durch die für das Jahr 2022 gesetzlich beschlossene Substitution von Biologika in der Apotheke, die den Kassen den Weg zu exklusiven Ausschreibungen ebnen soll.”

Auf die Frage, was die Substitution auf Apothekenebene, die in Deutschland ab dem Sommer 2022 eingeführt wird, für Europa bedeute, sagte Maréchal-Jamil: „Biosimilars kommen in Deutschland sehr schnell auf den Markt, was zu einem dynamischen Wettbewerbsniveau führt und die Behandlungskosten signifikant senkt. Der Markt funktioniert gut. Er braucht keine regulatorischen, staatlichen Eingriffe.“ Die Einführung der automatischen Substitution, die exklusive Ausschreibungen erlaubt, werde die aktuelle Dynamik in Deutschland bremsen. „Dieser Schritt wird sich voraussichtlich negativ auf die Anzahl der auf dem Markt aktiven Wettbewerber auswirken und die Rahmenbedingung für Biosimilars destabilisieren. Durch die automatische Substitution droht Deutschland seine Vorbildfunktion zu verlieren.“

Moderator Stefan Balling (rechts) diskutierte mit Julie Maréchal-Jamil und Peter Stenico über die Situation am deutschen Biosimilar-Markt

Peter Stenico, Vorsitzender der AG Pro Biosimilars, konkretisierte die positiven Effekte der Biosimilars auf das Gesundheitssystem. „In erster Linie profitieren die Krankenkassen“, so Stenico. „Der Wettbewerb im Biologika-Markt führt zu sinkenden Preisen und die Einsparungen sind höher als bislang angenommen. Gleichzeitig hat sich – und das ist vor allem gut für die Patient:innen –  deren Zugang zu Biologika-Therapien massiv erhöht.

Peter Stenico

Vorsitzender der AG Pro Biosimilars

Diversifizierte Produktionsstandorte garantieren zudem das hohe Maß an Versorgungssicherheit und zeigen einen starken Standort Europa. Wie wichtig dieser ist, haben wir gerade erst an der Impfstoffentwicklung gesehen. Bei den Biosimilars stehen wir genauso gut da, wie bei den Impfstoffen. Das sollten wir nicht aufs Spiel setzen.

Veranstaltungen

Studie der KV Bayerns auf Symposium der AG Pro Biosimilars

Auf dem digitalen Symposium der AG Pro Biosimilars im September 2020 haben Dr. Peter Killian und Dr. Franziska
Hörbrandt von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KV Bayerns) eine “PHARAO”-Studie vorgestellt, die sie im Auftrag der AG Pro Biosimilars derzeit anfertigen. Die Ergebnisse betreffen vor allem Rheumapatient:innen und sind für diese durchweg positiv.

Denn: Rheumapatient:innen bekommen heute deutlich schneller ein biologisches Arzneimittel verschrieben als noch vor sechs Jahren. Musste eine zu behandlende Person bis 2015 noch durchschnittlich 7,4 Jahre auf eine biologische Arzneimitteltherapie warten, sind es jetzt nur noch 0,3 Jahre. Verantwortlich für diese Verkürzung der Wartezeit – während die Patient:innen u.a. mit synthetischen Arzneimitteln behandelt werden – sind die sogenannten Biosimilars: Seit 2015 sind diese Nachfolgeprodukte ehemals patentgeschützter Biologika für Rheumaerkrankungen auf dem Markt. Sie wirken genauso, sind aber deutlich günstiger als das Originalprodukt.

Die Studie zeigt deutlich: Seit 2015 – dem Jahr, in dem das erste Biosimilar auf den Markt kam – werden biologische Arzneimittel viel schneller als zuvor verschrieben.

Dr. Peter Killian und Dr. Franziska Hörbrand von der KV Bayerns (r.) stellten ihre PHARAO-Studie vor. Sie diskutierten mit dem Vorsitzenden der AG Pro Biosimilars Peter Stenico (M.) und Dr. Martin Danner von der BAG-Selbsthilfe (2.v.r) über die Ergebnisse. Dr. Stephan Balling (l.) moderierte die Veranstaltung.

Die zentralen Ergebnisse auf einen Blick:

  • Bis zur Markteinführung des ersten u.a. für Rheuma zugelassenen Biosimilars warteten Rheumapatient:innen in Bayern durchschnittlich 7,4 Jahre auf eine Biologika-Therapie.
  • Seit 2015 kamen insgesamt drei Biosimilars für Rheumaerkrankungen auf den Markt. Nach jeder Markteinführung verkürzte sich die Wartezeit (s. Grafik).
  • Heute warten Patient:innen in Bayern, die ein Biologikum brauchen, im Schnitt nur noch 0,3 Jahre bis zum Behandlungsbeginn mit einem Biologikum.
  • Gleichzeitig stieg in Bayern die Anzahl der Rheumapatient:innen, die eine Arzneimitteltherapie erhielten (plus 24,82 Prozent).
  • Auch die Zahl der Rheumapatient:innen stieg an, die mit einem biologischen Arzneimittel behandelt wurden: von 13,5 Prozent im Jahr 2014 auf 18,7 Prozent im Jahr 2019.

Peter Stenico

Vorsitzender der AG Pro Biosimilars

Die neuesten Zahlen sind eine gute Nachricht für alle an Rheuma erkrankten Menschen. Die Behandlung mit einem Biologikum markiert für sie oft das Ende massiver Einschränkungen und die Rückkehr in eine Art Alltag. Dass sie diese Behandlung nun ohne quälend lange Wartezeiten erhalten, zeigt deutlich: Biosimilars entlasten nicht nur das Gesundheitssystem. Sie ermöglichen jedem Einzelnen genau die Therapie, die er braucht und das zu genau dem Zeitpunkt, an dem er sie braucht.

Studie KV Bayerns

Die bislang unveröffentlichten Ergebnisse der Studie der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns sowie die Hinweise zur Methodik können Sie hier herunterladen.

Zum Download
Rheuma
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