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Vorbild in Europa: Der deutsche Biosmilar-Markt funktioniert!

In Bezug auf Biosimilars hat Deutschland in Europa eine Vorreiterrolle eingenommen. Das sagte Julie Maréchal-Jamil, Director Biosimilar Policy & Science beim europäischen Generika- und Biosimilars-Verband Medicines for Europe, bei einer Podiumsdiskussion der AG Pro Biosimilars im Rahmen des BMC-Kongress 2021.

Julie Maréchal-Jamil

Director Biosimilar Policy & Science (Medicines for Europe)

„Wir haben ein EU-Barometer mit Kriterien entwickelt, die die Nachhaltigkeit des Wettbewerbs auf dem Biosimilar-Markt bestimmen. Von diesen 15 Kriterien sind 11 in Deutschland auf einem optimalen oder nahezu optimalen Niveau.“

Das Thema der Veranstaltung lautete: Biosimilarmärkte im europäischen Vergleich – behält Deutschland seine Vorreiter-Rolle?

Ausgangspunkt der Diskussion war die Lage zu Beginn des Jahres 2021: Gesundheitspolitisch würde vor allem nötig sein, die Pandemie erfolgreich zu bekämpfen — und zu sparen! Covid-19, so Moderator Dr. Stephan Balling in seiner Einführung, habe die europäischen Gesundheitssysteme schwer belastet, Milliardendefizite müssten gedeckt werden – und Deutschland stehe dabei noch vergleichsweise gut da.

Mit Blick auf die Biosimilars sagte Balling: “Durch Biosimilars generierte, massive Einsparungen entlasten unser Gesundheitssystem bereits heute spürbar. Weitere Einsparungen verspricht sich die deutsche Politik offenbar durch die für das Jahr 2022 gesetzlich beschlossene Substitution von Biologika in der Apotheke, die den Kassen den Weg zu exklusiven Ausschreibungen ebnen soll.”

Auf die Frage, was die Substitution auf Apothekenebene, die in Deutschland ab dem Sommer 2022 eingeführt wird, für Europa bedeute, sagte Maréchal-Jamil: „Biosimilars kommen in Deutschland sehr schnell auf den Markt, was zu einem dynamischen Wettbewerbsniveau führt und die Behandlungskosten signifikant senkt. Der Markt funktioniert gut. Er braucht keine regulatorischen, staatlichen Eingriffe.“ Die Einführung der automatischen Substitution, die exklusive Ausschreibungen erlaubt, werde die aktuelle Dynamik in Deutschland bremsen. „Dieser Schritt wird sich voraussichtlich negativ auf die Anzahl der auf dem Markt aktiven Wettbewerber auswirken und die Rahmenbedingung für Biosimilars destabilisieren. Durch die automatische Substitution droht Deutschland seine Vorbildfunktion zu verlieren.“

Moderator Stefan Balling (rechts) diskutierte mit Julie Maréchal-Jamil und Peter Stenico über die Situation am deutschen Biosimilar-Markt

Peter Stenico, Vorsitzender der AG Pro Biosimilars, konkretisierte die positiven Effekte der Biosimilars auf das Gesundheitssystem. „In erster Linie profitieren die Krankenkassen“, so Stenico. „Der Wettbewerb im Biologika-Markt führt zu sinkenden Preisen und die Einsparungen sind höher als bislang angenommen. Gleichzeitig hat sich – und das ist vor allem gut für die Patienten –  deren Zugang zu Biologika-Therapien massiv erhöht

Peter Stenico

Vorsitzender der AG Pro Biosimilars

Diversifizierte Produktionsstandorte garantieren zudem das hohe Maß an Versorgungssicherheit und zeigen einen starken Standort Europa. Wie wichtig dieser ist, haben wir gerade erst an der Impfstoffentwicklung gesehen. Bei den Biosimilars stehen wir genauso gut da, wie bei den Impfstoffen. Das sollten wir nicht aufs Spiel setzen.

Veranstaltungen

Studie der KV Bayerns auf Symposium der AG Pro Biosimilars

Auf dem digitalen Symposium der AG Pro Biosimilars im September 2020 haben Dr. Peter Killian und Dr. Franziska
Hörbrandt von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KV Bayerns) eine “PHARAO”-Studie vorgestellt, die sie im Auftrag der AG Pro Biosimilars derzeit anfertigen. Die Ergebnisse betreffen vor allem Rheumapatienten und sind für diese durchweg positiv.

Denn: Rheumapatienten bekommen heute deutlich schneller ein biologisches Arzneimittel verschrieben als noch vor sechs Jahren. Musste ein Rheumapatient bis 2015 noch durchschnittlich 7,4 Jahre auf eine biologische Arzneimitteltherapie warten, sind es jetzt nur noch 0,3 Jahre. Verantwortlich für diese Verkürzung der Wartezeit – während die Patienten u.a. mit synthetischen Arzneimitteln behandelt werden – sind die sogenannten Biosimilars: Seit 2015 sind diese Nachfolgeprodukte ehemals patentgeschützter Biologika für Rheumapatienten auf dem Markt. Sie wirken genauso, sind aber deutlich günstiger als das Originalprodukt.

Die Studie zeigt deutlich: Seit 2015 – dem Jahr, in dem das erste Biosimilar auf den Markt kam – verschreiben Ärzte biologische Arzneimittel viel schneller als zuvor.

Dr. Peter Killian und Dr. Franziska Hörbrand von der KV Bayerns (r.) stellten ihre PHARAO-Studie vor. Sie diskutierten mit dem Vorsitzenden der AG Pro Biosimilars Peter Stenico (M.) und Dr. Martin Danner von der BAG-Selbsthilfe (2.v.r) über die Ergebnisse. Dr. Stephan Balling (l.) moderierte die Veranstaltung.

Die zentralen Ergebnisse auf einen Blick:

  • Bis zur Markteinführung des ersten u.a. für Rheuma zugelassenen Biosimilars warteten Rheumapatienten in Bayern durchschnittlich 7,4 Jahre auf eine Biologika-Therapie.
  • Seit 2015 kamen insgesamt drei Biosimilars für Rheumapatienten auf den Markt. Nach jeder Markteinführung verkürzte sich die Wartezeit (s. Grafik).
  • Heute warten Patienten in Bayern, die ein Biologikum brauchen, im Schnitt nur noch 0,3 Jahre bis zum Behandlungsbeginn mit einem Biologikum.
  • Gleichzeitig stieg in Bayern die Anzahl der Rheumapatienten, die eine Arzneimitteltherapie erhielten (plus 24,82 Prozent).
  • Auch die Zahl der Rheumapatienten stieg an, die mit einem biologischen Arzneimittel behandelt wurden: von 13,5 Prozent im Jahr 2014 auf 18,7 Prozent im Jahr 2019.

Peter Stenico

Vorsitzender der AG Pro Biosimilars

Die neuesten Zahlen sind eine gute Nachricht für alle Rheuma-Patienten. Die Behandlung mit einem Biologikum markiert für sie oft das Ende massiver Einschränkungen und die Rückkehr in eine Art Alltag. Dass sie diese Behandlung nun ohne quälend lange Wartezeiten erhalten, zeigt deutlich: Biosimilars entlasten nicht nur das Gesundheitssystem. Sie ermöglichen jedem einzelnen Patienten genau die Therapie, die er braucht und das zu genau dem Zeitpunkt, an dem er sie braucht.

Studie KV Bayerns

Die bislang unveröffentlichten Ergebnisse der Studie zu Rheumapatientn sowie Hinweise zur Methodik können Sie hier herunterladen.

Zum Download
Rheuma
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