Klinische Studien

Bevor neue Arzneimittel zugelassen werden, müssen sie in klinischen Prüfungen ihre Wirksamkeit und Sicherheit nachgewiesen haben. Nach einer Entscheidung durch eine Ethikkommission und unter streng kontrollierten Bedingungen werden entsprechende Untersuchungen zunächst an einigen gesunden Probanden und danach an größeren Patientengruppen vorgenommen. Bei Generika wird in Klinischen Studien die Bioäquivalenz untersucht. Für Biosimilars gelten noch strengere Vorschriften. Wenn sie in einem unterschiedlichen Herstellungsverfahren zum Referenzprodukt hergestellt werden, müssen für sie zusätzliche Studien zur Wirksamkeit und Unbedenklichkeit durchgeführt und für die Zulassung bei der Europäischen Arzneimittelagentur eingereicht werden.

Monoklonale Antikörper

Monoklonale Antikörper sind hochspezialisierte und zielgenaue Antikörper, die biotechnologisch hergestellt werden. Als Biopharmazeutika können sie die natürliche Immunantwort des Körpers gegen Krankheiten aktivieren. Bislang werden monoklonale Antikörper vor allem in der Krebstherapie oder zur Unterdrückung unerwünschter Immunreaktionen, beispielsweise nach einer Organtransplantation oder bei rheumatoiden Erkrankungen eingesetzt. Da sie bestimmte Antigene sehr genau aufspüren können, haben monoklonale Antikörper auch eine große Bedeutung im diagnostischen Bereich.

Nutzenbewertung (auch frühe Nutzenbewertung)

Als Folge der im Jahr 2011 eingeführten frühen Nutzenbewertung nach dem Arzneimittemarktneuordnungsgesetz (AMNOG) müssen neu auf den Markt kommende Wirkstoffe (patentgeschützte Arzneimittel) ihren Zusatznutzen gegenüber dem bisherigen Therapiestandard nachweisen. Der Therapiestandard ist dabei definiert als „zweckmäßige Vergleichstherapie“. Im Regelfall beauftragt der GBA das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) mit der Durchführung der Nutzenbewertung . Nachdem der GBA auf Basis der Bewertung des IQWIG einen Beschluss über den Ausmaß der Zusatznutzens beschlossen hat, wird in einem zweiten Schritt für das bewertete Arzneimittel ein Erstattungsbetrag zwischen dem Hersteller und dem GKV-Spitzenverband verhandelt. Dieser gilt dann ab dem 13. Monat nach erstmaligen Inverkehrbringen.

Da es sich bei Biosimilars als Folgeprodukte bereits erprobter patentfreier Biopharmazeutika nicht um „neue Wirkstoffe“ handelt, findet eine Nutzenbewertung nicht statt.

Patentschutz

Erforscht ein Pharmaunternehmen ein neues Medikament, kann es dafür einen Patentschutz beantragen. In der Europäischen Union beträgt der Patentschutz im Regelfall 20 Jahre ab Beantragung. Während des Patentschutzes dürfen keine Folgeprodukte (Generika) mit identischen Wirkstoffen angeboten werden. Nach Ablauf des Patents ist der Markteintritt für Wettbewerbsprodukte möglich, was zu einer Intensivierung des Preiswettbewerbs und sinkenden Behandlungskosten führt.

Im Gegensatz zu chemisch synthetisierten Arzneimitteln ist bei Biopharmazeutika auch der Herstellungsprozess von besonderer Bedeutung. Da dieser oftmals ebenfalls durch diverse Patente geschützt ist, und von den Herstellern der Referenzprodukte geheim gehalten wird, müssen Biosimilar-unternehmen neue Herstellungsverfahren entwickeln, die dann im Ergebnis zu einem vergleichbaren (ähnlichen) biopharmazeutischen Wirkstoff kommen. Für den Nachweis der Vergleichbarkeit sind im Rahmen der Zulassung umfangreiche klinische Studien vorzulegen.

Pharmazeutische Bedenken

Hat der Apotheker pharmazeutische Bedenken bei der Abgabe eines Arzneimittels, kann er dem Patienten ungeachtet des Rabattvertrages ein anderes Arzneimittel mit demselben Wirkstoff und derselben Dosierung aushändigen (siehe Rabattvertrag).Biosimilars sollten vom Apotheker wegen ihrer zum Referenzprodukt unterschiedlichen Herstellungsweise bei Patienten grundsätzlich nicht ausgetauscht werden.

Rabattvertrag für Arzneimittel (auch Ausschreibungen oder Tender)

Krankenkassen schreiben einen sehr großen Teil ihres Bedarfs an patentfreien Arzneimitteln europaweit aus. Wenn Pharmaunternehmen die Versicherten dieser Krankenkasse mit Arzneimitteln versorgen wollen, müssen sie an diesen Ausschreibungen teilnehmen. Bei den Ausschreibungen erhält ausschließlich der Hersteller den Zuschlag und damit den Versorgungsauftrag, der den höchsten Rabatt bietet. Der Apotheker ist dann bei der Rezeptvorlage des Patienten gesetzlich dazu verpflichtet, ausschließlich das Arzneimittel abzugeben, für das ein Rabattvertrag zwischen einer Krankenkasse und einem Hersteller besteht. Ein Rabattvertrag gilt im Regelfall für zwei Jahre. Danach wird er erneut ausgeschrieben und wiederum kommt nur das Angebot mit dem höchsten Rabatt zum Zuge.

Verstärkt schließen die Krankenkassen in den letzten Jahren auch Rabattverträge für Biopharmazeutika kurz vor deren Patentablauf ab. Da solche Vereinbarungen ebenfalls auf zwei Jahre abgeschlossen werden, wird der Marktzugang für neue Biosimilars so oft behindert.

Referenzarzneimittel

Referenzarzneimittel sind patentfrei gewordene Biopharmazeutika, für die es Nachfolgeprodukte als Biosimilar gibt. Für die Zulassung müssen die Hersteller dieser Folgeprodukte auf das Referenzarzneimittel Bezug nehmen oder zusätzliche Studien zu einer vergleichbaren Wirksamkeit und Unbedenklichkeit vorlegen.

Richtgrößen

Richtgrößen sind Durchschnittswerte, die den Ärzten die Obergrenze der Arzneimittelausgaben pro Kalenderjahr und pro Patient vorgeben. Sie werden arztgruppenspezifisch und fallbezogen berechnet. Je mehr Patienten ein Arzt hat, umso größer wird das Richtgrößenvolumen. Durch ihren Preisvorteil gegenüber den teilweise sehr hochpreisigen biopharmazeutischen Referenzprodukten können Biosimilars Ärzten dabei helfen, ihre Richtgrößen auch bei teuren Therapien einzuhalten.

Substitutionsauschlussliste

In der Substitutionsauschlussliste sind Wirkstoffe aufgeführt, bei denen schon eine geringfügige Änderung der Dosis oder Konzentration des Wirkstoffes zu klinisch relevanten Wirkungsveränderungen führt und /oder bei denen infolge des Ersetzens durch ein wirkstoffgleiches Arzneimittel relevante klinische Beeinträchtigungen auftreten können. Die Arzneimittel auf dieser Liste dürfen durch die Apotheken nicht im Rahmen der Aut-idem-Regelung ausgetauscht werden. Zuständig für die Erstellung dieser Liste ist der Gemeinsame Bundesausschuss.

Versorgungsanteil

Mit dem Begriff Versorgungsanteil wird der Prozentsatz beschrieben, den Biosimilars gegenüber ihren Referenzprodukten in der ärztlichen Verordnung und Therapie – also in der Versorgung der Patienten – einnehmen.

Wettbewerbsphase

Der Begriff Wettbewerbsphase steht für einen 24 monatigen Zeitraum nach Markteintritt des ersten Biosimilars, in dem die Krankenkassen für den betroffenen Wirkstoff keine Rabattverträge ausschreiben sollen. Ziel ist es, den gesamten Markt für alle Biosimilaranbieter durch faire und gleiche Wettbewerbsbedingungen zu öffnen und den Wettbewerb durch Anbietervielfalt zu fördern.

Wirtschaftlichkeit

Die Ressourcen unseres Gesundheitssystems sind begrenzt. Das für unser Gesundheitswesen maßgebliche Sozialgesetzbuch V (SGB V) verpflichtet den Vertragsarzt daher zur Beachtung des Wirtschaftlichkeitsgebotes. Für die Kassenärzte bedeutet dies, dass sie eine zweckmäßige und ausreichende Versorgung des Patienten durchführen, die aber den notwendigen Umfang der Behandlung nicht überschreitet. Um dies sicherzustellen, gibt es so genannte Wirtschaftlichkeitsprüfungen der vertragsärztlichen Leistungen und Verordnungen, die von Gremien der Gesetzlichen Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigungen auf Landesebene (KV-Ebene) durchgeführt werden. Entlastung für die Richtgrößen können in diesem Zusammenhang Biosimilars bieten, da diese bei gleicher Qualität deutlich preiswerter sind als die jeweiligen Referenzarzneimittel.

Zielvereinbarungen

Unter diesem Begriff wird derzeit ein Vorschlag diskutiert, nach dem die regionalen Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen Zielvereinbarungen zu Biosimilars abschließen. Vereinbart werden sollen dabei eine aktive Information und Beratung der Vertragsärzte über Biosimilars und definierte Versorgungsanteile für Biosimilars. Die Zielvereinbarungen sollen sich an erfolgreichen Best-Practice Modell in einigen KV-Regionen – beispielsweise KV Westfalen-Lippe – orientieren.

Zulassung

Jedes in Deutschland erhältliche Arzneimittel muss vorab zugelassen werden. Im Rahmen des Zulassungsprozesses werden die Qualität, die Wirksamkeit und die Verträglichkeit eines Arzneimittels umfassend untersucht. Erst wenn diese Prüfung erfolgreich war, erteilt die Behörde mit der Zulassung ihr Gütesiegel. In Deutschland sind das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bzw. das Paul Ehrlich Institut (PEI) für die Zulassung von Arzneimitteln zuständig.

Wie alle Biopharmazeutika werden Biosimilars europaweit in einem zentralisierten Verfahren der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) auf der Grundlage von eigenen umfangreichen Studien zur Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit zugelassen.

Zuzahlung

Das Sozialgesetzbuch V (SGB V) sieht vor, dass Patienten bei Erhalt eines von den Krankenkassen erstatteten Arzneimittels in der Apotheke eine Zuzahlung von mindestens 5, höchstens aber 10 Euro zu leisten haben. Für Arzneimittel, die um 30 Prozent günstiger als die Festbeträge der Krankenkassen sind, ist keine Zuzahlung fällig. Eine Befreiung von der Zuzahlung können Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen beantragen, wenn sie nur über ein geringes Einkommen verfügen oder die Zuzahlungen die Belastungsgrenzen des Versicherten übersteigen.