Starke Differenzen in den Versorgungsanteilen von Biosimilars

Beim diesjährigen Rheumakongress in Frankfurt am Main wurde erneut deutlich: Biologika haben die Therapiemöglichkeiten für die Patientinnen und Patienten in den vergangenen Jahren erheblich erweitert. Allerdings werden diese auch zu einem erheblichen Kostenfaktor für die gesetzlichen Krankenkassen. Der Ablauf von Patenten ermöglicht jedoch den Einsatz von preisgünstigeren Nachfolgepräparaten in der Rheumatherapie, den sogenannten Biosimilars.

Professor Dr. med. Hanns-Martin Lorenz, 1. Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, begrüßte im Rahmen des Kongresses diese Entwicklung. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie schließe sich der Meinung der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft an und unterstütze die Einführung und Verwendung von Biosimilars gerade auch angesichts der enormen Kosten, die mit biologisch hergestellten Medikamenten verbunden seien.[1]

Für die in der Rheumatherapie eingesetzten Wirkstoffe Infliximab und Etanercept sind bereits Biosimilars verfügbar. Allerdings werden die Potenziale für die Versorgung noch nicht durchgehend genutzt. Die Versorgungsanteile unterscheiden sich in erheblichem Maße zwischen den verschiedenen KV-Regionen: Bei Infliximab (seit Februar 2015 verfügbar) von 10,2 bis 47,3 Prozent bei Etanercept (seit März 2016 verfügbar) von 0,9 bis 19,6 Prozent (vgl. Grafik).

„Durch die konsequente Anwendung von Best Practices, die intensive Information der Verordner und die Umsetzung regionaler Zielvereinbarungen ließen sich die Versorgungsanteile von Biosimilars deutlich erhöhen“, sagte Dr. Andreas Eberhorn, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Pro Biosimilars. „Bei gleicher Versorgungsqualität könnten so enorme Einsparungen für die gesetzlichen Krankenkassen erzielt werden.“

[1] Quelle: http://dgrh-kongress.de/fileadmin/media/kongress/Pressekonferenz/Pressemappe_DGRh_Vorab-PK_F.pdf

 

Versorgungsanteile
Grafik Biosimilarversorgungsanteile

 

Patentabläufe von Biopharmazeutika bringen Chancen für Patientenversorgung und Finanzierbarkeit

In den kommenden drei Jahren (2016-2018) laufen Biopharmazeutika mit einem Umsatzvolumen von 1,3 Milliarden Euro auf dem deutschen Markt aus dem Patent, so eine Berechnung von INSIGHT Health. Somit können biotechnologisch hergestellte Nachfolgepräparate, sogenannte Biosimilars, in die Versorgung gebracht werden.

„Der damit verbundene Preiswettbewerb ermöglicht eine nachhaltige Finanzierbarkeit der Patientenversorgung mit diesen modernen und hochwirksamen Medikamenten“, so Dr. Andreas Eberhorn, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Pro Biosimilars.

Besonders angesichts steigender Arzneimittelausgaben für neue Medikamente gelte es, auch die potentiellen Einspareffekte durch Biosimilars zu nutzen, so Eberhorn weiter. Dafür seien jedoch ein funktionierender Wettbewerb und faire Bedingungen ausschlaggebend. Dieser könne beispielsweise durch eine „Stunde Null“ ohne „patentverlängernde“ Exklusivverträge mit dem Erstanbieter, eine rabattvertragsfreie Periode nach Patentablauf und regionale Zielvereinbarungen zwischen Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen zum Einsatz von Biosimilars gefördert werden.