Biosimilars 2018: Neue Dynamik in der Versorgung in Onkologie und Rheumatologie

Biosimilars können nicht nur zu einer Entlastung des Gesundheitssystems beitragen, sondern beispielsweise durch neue Stabilitätsdaten auch zu einer Verbesserung der Versorgung führen.

 

Dr. Stephan Eder (Hexal AG/Vorsitzender AG Pro Biosimilars), Prof. Dr. Diana Lüftner (DGHO), Dieter Wiek (Deutsche Rheuma-Liga) und Prof. Dr. J. Braun (DGRh), Elmar Esser (Moderator) – Fotograf Peter Himsel

AG Pro Biosimilars begrüßt Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie zu Biosimilars

Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie hat jüngst eine aktualisierte Stellungnahme zu Biosimilars publiziert. Darin hält die rheumatologische Fachgesellschaft fest, dass Biosimilars keine klinisch relevanten Unterschiede zum Referenzprodukt aufweisen. Sie seien „in der Wirksamkeit, Sicherheit und Immunogenität vergleichbar zu den Originalprodukten“ und – in Anlehnung an die Stellungnahme des Paul-Ehrlich-Instituts – wie diese einsetzbar.  

Auch die Praxis der Extrapolation, also der Zulassung von Biosimilars für nicht klinisch untersuchte Indikationen auf Basis der Gesamtheit der Daten („totality of evidence“) sei nicht zu beanstanden. „Seit der Zulassung der ersten Biosimilars vor über zehn Jahren wurden weder neue unerwünschte Arzneimittelwirkungen durch diese Wirkstoffe gemeldet, noch musste einem Biosimilar aus Sicherheitsgründen die Marktzulassung wieder entzogen werden.“

Die durch Biosimilars erzielbaren Einsparungen hätten auch in Deutschland bereits dazu beigetragen, die Verfügbarkeit von Biopharmazeutika für Patientinnen und Patienten zu erhöhen. Die von Kassenärztlichen Vereinigungen teilweise eingeführten Quoten hätten darüber hinaus zum Ziel, die Ausgaben der Solidargemeinschaft zu senken. Dabei sei Pharmakovigilanz von großer Bedeutung und die Gewinnung von Registerdaten empfohlen. Die letztendliche Therapieentscheidung liege in der Hand des Arztes.  

„Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie hebt in ihrer Stellungnahme hervor, dass Biosimilars zu einer besseren Verfügbarkeit der modernen Biopharmazeutika und somit zu einer besseren Versorgung der Patientinnen und Patienten beitragen. Das freut uns sehr, denn genau darauf kommt es an. Die Stellungnahme gibt darüber hinaus sinnvolle Leitplanken für den Umgang mit Biosimilars. Da 2018 in der Rheumatologie eine Reihe neuer Biosimilars in die Versorgung kommen werden, kommt die Stellungnahme zur rechten Zeit“, so Dr. Stephan Eder, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Pro Biosimilars.

Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie zu Biosimilars

 

 

Starke Differenzen in den Versorgungsanteilen von Biosimilars

Beim diesjährigen Rheumakongress in Frankfurt am Main wurde erneut deutlich: Biologika haben die Therapiemöglichkeiten für die Patientinnen und Patienten in den vergangenen Jahren erheblich erweitert. Allerdings werden diese auch zu einem erheblichen Kostenfaktor für die gesetzlichen Krankenkassen. Der Ablauf von Patenten ermöglicht jedoch den Einsatz von preisgünstigeren Nachfolgepräparaten in der Rheumatherapie, den sogenannten Biosimilars.

Professor Dr. med. Hanns-Martin Lorenz, 1. Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, begrüßte im Rahmen des Kongresses diese Entwicklung. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie schließe sich der Meinung der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft an und unterstütze die Einführung und Verwendung von Biosimilars gerade auch angesichts der enormen Kosten, die mit biologisch hergestellten Medikamenten verbunden seien.[1]

Für die in der Rheumatherapie eingesetzten Wirkstoffe Infliximab und Etanercept sind bereits Biosimilars verfügbar. Allerdings werden die Potenziale für die Versorgung noch nicht durchgehend genutzt. Die Versorgungsanteile unterscheiden sich in erheblichem Maße zwischen den verschiedenen KV-Regionen: Bei Infliximab (seit Februar 2015 verfügbar) von 10,2 bis 47,3 Prozent bei Etanercept (seit März 2016 verfügbar) von 0,9 bis 19,6 Prozent (vgl. Grafik).

„Durch die konsequente Anwendung von Best Practices, die intensive Information der Verordner und die Umsetzung regionaler Zielvereinbarungen ließen sich die Versorgungsanteile von Biosimilars deutlich erhöhen“, sagte Dr. Andreas Eberhorn, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Pro Biosimilars. „Bei gleicher Versorgungsqualität könnten so enorme Einsparungen für die gesetzlichen Krankenkassen erzielt werden.“

[1] Quelle: http://dgrh-kongress.de/fileadmin/media/kongress/Pressekonferenz/Pressemappe_DGRh_Vorab-PK_F.pdf

 

Versorgungsanteile
Grafik Biosimilarversorgungsanteile