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Exklusive Rabattverträge gefährden das funktionierende System der Biosimilars

Das Biosimilar-System läuft stabil: Unternehmen investieren, Patient:innen erhalten Zugang, Krankenkassen sparen Milliarden und Lieferengpässe treten nicht auf. Doch nun sollen exklusive Rabattverträge eingeführt werden. Dabei kommt nur der billigste Anbieter zum Zuge, alle anderen werden verdrängt. Das macht die Versorgung unsicher. Und zwar ohne Grund denn Biosimilars verursachen nur einen Bruchteil der Kosten.

 

Biosimilars: Ein Modell, von dem alle profitieren

Unternehmen entwickeln Biosimilars und sichern Wettbewerb. Patient:innen bekommen Zugang zu modernen Therapien. Krankenkassen erzielen Einsparungen in Milliardenhöhe. Und die Versorgung bleibt stabil ohne Engpässe.

Geplanter Kurswechsel: Rabattverträge nur noch mit einem Anbieter

Bislang gilt das Open-House-Prinzip: Mehrere Hersteller schließen parallel Verträge ab. So erzielen die Krankenkassen laut einer Studie des IGES-Instituts 75% ihrer Einsparungen (das sind 1,3 Mrd. Euro). Künftig aber sollen exklusive Rabattverträge möglich sein. Nur noch der billigste Hersteller kommt dann zum Zuge.

Exklusivität verdrängt Anbieter und schwächt den Markt

Wo nur ein Hersteller zum Zuge kommt, ziehen sich andere zurück. Genau das ist bei Generika passiert - mit drastischen Folgen für die Versorgung. Bei Biosimilars wäre die Lage noch kritischer: Sie sind komplex und teuer in der Herstellung, und die Zahl der Anbieter ist ohnehin klein.

Hohe Risiken bei geringen Einsparpotenzialen

Exklusive Verträge setzen die Versorgungssicherheit aufs Spiel, ohne nennenswerte Vorteile zu bringen. Denn Biosimilars sind für die Krankenkassen kein Kostentreiber, sondern ein Faktor, der entlastet.

Die Politik muss verhindern, dass das funktionierende Modell in Schieflage gerät

Die Automatische Substitution bringt das System durcheinander, sämtliche Interessengruppen werden darunter zu leiden haben. Hier braucht es politisches Handeln.

1 https://probiosimilars.de/wp-content/uploads/2025/06/Biosimilars-in-Zahlen_Kalenderjahr-2024.pdf, Seite 19

2 Die IGES-Studie im Auftrag der AG Pro Biosimilars hatte das Ziel, erstmalig die direkten und indirekten Einsparungen zu analysieren, die durch die Einführung vonBiosimilars im jeweiligen Marktsegment bewirkt werden. Neben direkten Einspareffekten gibt es auch indirekte Einspareffekte, die bislang noch nicht systematischuntersucht wurden: Der Wettbewerb zwischen Biosimilars, Rabattwettbewerb und Festbeträge. Summe der erzielten Einsparungen: 1.730 Mio. Euro (Individualrabatte1.305 Mio. Euro, Festbeträge 339 Mio. Euro, gesetzliche Rabatte (Apotheken- und Herstellerabschläge) 86 Mio. Euro.

3 IGES-Institut: 6. Aktualisierung der Analyse des Generikawettbewerbs (2005–2023), Trends und Entwicklungenim deutschen Biopharmazeutika-Markt

4 IQVIA Fokus Biosimilar, Trends und Entwicklungen im deutschen Biopharmazeutika-Markt, Q4 2024, abgerufenunter https://www.iqvia.com/-/media/iqvia/pdfs/germany/publications/fokus-biosmilars/iqvia-biosimilar-fokus_monitor-2024-q4.pdf AMV

„Der gleiche Fehler wie bei Generika – nur diesmal teurer“

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