@Marlen Hansen

„Mein Alltag hat sich gedreht“

Gegen ihr Rheuma erhalten Menschen wie Lynne ein biopharmazeutisches Arzneimittel. Das gibt ihnen oftmals ihren Alltag zurück. Wie ein Wunder erscheint das vielen. Ein Wunder, das alle erfahren können. Weil Biosimilars es bezahlbar machen.

Als Teenager bekam Lynne diese Schmerzen. Am Rücken, in den Gelenken. Immer wieder, in heftigen Schüben. Man sagte ihr, das käme vom Wachstum. Oder vom Sport, den sie voller Leidenschaft trieb. An Rheuma dachte niemand. Doch nicht bei einer so jungen Frau!

Es dauerte Jahre bis eine Ärztin darauf kam, dass Morbus Bechterew der Grund für die Schmerzen sein könnte – eine Form des Rheumas. Jahre, in denen Lynne von Praxis zu Praxis geschickt wurde. In denen sie kaum noch Sport treiben konnte und immer wieder an Krücken ging. So schmerzhaft war das Laufen.

Rund vier Millionen Menschen leiden in Deutschland an einer chronisch-entzündlichen Erkrankung. An Rheuma zum Beispiel, Schuppenflechte oder Morbus Crohn. Allesamt schwere Leiden, die Leben und Alltag der Erkrankten massiv beeinträchtigen.

Bei Rheuma sind es diese Phasen schwerer Schmerzen, die in unregelmäßigen Abständen auftauchen und den Betroffenen jede Freude an der Bewegung rauben.

Bei Morbus Crohn ist es eine Entzündung des Darms, die nicht nur jede Nahrungsaufnahme zur Qual werden lässt. Auch die Verdauung wird unberechenbar und nimmt den Betroffenen die Freiheit, ihre Freizeit unbeschwert zu verbringen.

Bei Schuppenflechte (auch: Psoriasis) ist es vor allem die Scham. Das Gefühl, dass andere sich vor den juckenden Flecken ekeln, die die Patientinnen und Patienten nicht selten in die soziale Isolation treibt. Hinzu kommt ein großer Aufwand für Hautpflege, der andere Tätigkeiten unmöglich macht.

Heute lebt Lynne ohne Beschwerden

Hoffnung verspricht ein biopharmazeutisches Arzneimittel. Dies wird den Patientinnen und Patienten entweder regelmäßig injiziert oder von ihnen selbst gespritzt. Dies führt oft dazu, dass Entzündungen sich abschwächen und Schmerzen aufhören.

So jedenfalls war es bei Lynne. Kurz nach der Diagnose erhielt sie zum ersten Mal ein Biopharmazeutikum. Heute lebt sie das Leben einer gesunden jungen Frau. Sie studiert Medizin, geht mit Freunden und Freundinnen aus und trainiert beinahe täglich in der Kletterhalle. Sie hat ihren Alltag zurück – und das, obwohl sie eigentlich chronisch krank ist.

Was aber sind biopharmazeutische
Arzneimittel genau?

Die Behandlung mit einem Biopharmazeutikum – sie verspricht vielen Betroffenen neue Hoffnung und stellt für Ärztinnen und Ärzte inzwischen eine vielversprechende Behandlungsoption dar.

Das Problem ist jedoch: Die Therapie ist teuer, denn Entwicklung und Herstellung eines Biopharmazeutikums sind aufwändig. Erst der Markteintritt günstigerer Nachfolgepräparate sorgt für Wettbewerb und senkt die Preise. Ob und für welche Wirkstoffe es diese sogenannten Biosimilars gibt, hat zuallererst mit dem Patentschutz zu tun.

Mit der Einführung der ersten Biosimilars im Jahr 2006 begann eine neue Ära: Weil die Nachfolgepräparate meist deutlich günstiger sind als die Originale, müssen die Ärztinnen und Ärzte seitdem die hohen Kosten nicht fürchten und können sie öfter verschreiben. So erhalten immer mehr Menschen die hochwirksamen Therapien mit biologischen Arzneimitteln.

Die Behandlung mit Biopharmazeutika bedeutet für viele Menschen weit mehr als die Linderung ihres – häufig schmerzhaften – Leidens. Sie ermöglicht eine Rückkehr in den Beruf und in einen normalen Alltag.

So etwa bei der rheumatoiden Arthritis – einer Erkrankung, an der in Deutschland rund 1,5 Millionen Erwachsene und etwa 20.000 Kinder leiden. Biopharmazeutische Arzneimittel wie die mit dem Wirkstoff Adalimumab gehören hier zu den wichtigsten Behandlungsoptionen.

Bis zum Jahr 2018 waren diese jedoch wegen ihrer hohen Kosten nur für sehr wenige Menschen verfügbar. Dann wurden die ersten Biosimilars des einstigen Blockbusters Humira® in Europa zugelassen. Der Wirkstoff Adalimumab wird seitdem von verschiedenen Herstellern angeboten.

Heute gibt es insgesamt 8 Hersteller, die Adalimumab herstellen. Seit dem Patentablauf 2018 ist der Listenpreis massiv gesunken. Der reale Preis liegt noch deutlich darunter, denn fast alle Adalimumab-Verordnungen sind unter Rabattvertrag – was bedeutet, dass die Hersteller den Krankenkassen zusätzliche Nachlässe gewähren.

Biopharmazeutische Arzneimittel mit dem Wirkstoff Adalimumab sind zu den wichtigsten Behandlungsoptionen bei Rheuma geworden. Seit Ablauf des Patentes gab es ein Plus von 72 Prozent bei den Verordnungen. Gleichzeitig sind die Kosten der Krankenkassen für die Arzneimittel um knapp 6 Prozent gesunken. So erhalten mehr Menschen Zugang zu den hochwirksamen Biopharmazeutika-Therapien. Und das ist auch ein Verdienst der Biosimilars.

Wie dank Biosimilars die Preise sinken

Mit Biosimilars gelingt die Quadratur des Kreises

Mehr Menschen erhalten Zugang zu hochwirksamen Therapien, gleichzeitig sinken die Kosten für die gesetzlichen Krankenkassen.

Und zwar nicht nur bei Rheuma. Insgesamt sind in Deutschland derzeit 18 Wirkstoffe als Biosimilar verfügbar. Sie werden unter anderem eingesetzt gegen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, gegen Schuppenflechte und gegen Krebs. Ihr Potenzial ist lange noch nicht ausgeschöpft. In den kommenden Jahren werden weitere Biosimilars für noch mehr Patientengruppen erwartet – z.B. mit Adipositas, seltenen Erkrankungen und weitere Formen von Krebs.

Was das für die gesetzlichen Krankenkassen bedeutet? In erster Linie Entlastung. Und was es für Patienten und Patientinnen bedeutet, erklärt Lynne in diesem Film. Es ist nicht weniger als das Leben, das vorher normal war und es jetzt wieder sein kann.