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Politischer Fehler mit schweren Folgen?

8 Gründe, warum es die automatische Substitution nicht braucht

Ab Sommer 2022 sollen Biosimilars als Generika gelten. Dann entscheidet nicht mehr der Arzt, von welchem Hersteller das Präparat ist, das eine Patientin bekommt. Entscheidend ist der Rabattvertrag, den ihre Krankenkasse mit einem Hersteller geschlossen hat. Dieser Schritt erhöht den Kostendruck, gefährdet die Versorgungssicherheit — und ist unnötig.

Denn: Biosimilars haben alle gesundheitspolitischen Ziele bereits erreicht. Sie bescheren dem Gesundheitssystem immense Einsparungen. Es können mehr Patienten versorgt werden. Und es herrscht maximale Versorgungssicherheit. Acht Gründe, warum es die Substitution auf Apothekenebene nicht braucht — und warum sie sogar schädlich ist.

Grund 1 — Biosimilars bringen massive Einsparungen

Wo immer Biosimilars auf den Markt gelangen, sinken die Kosten für die betreffenden Wirkstoffe. Nicht nur weil Biosimilars günstiger sind als das Originalpräparat. Sie bewirken auch, dass der Hersteller des Originals seinen Preis senkt. Zudem ist es den Krankenkassen — nun, da mehrere Hersteller auf den Markt ist — möglich, Open-House-Verträge mit denselben abzuschließen und dadurch Rabatte zu erzielen. Zuletzt sorgen Festbeträge — diese können erst festgesetzt werden, wenn mehrere Anbieter auf dem Markt sind — für weitere Einsparungen.

Ein Beispiel: Seit Einführung der Biosimilars Etanercept und Adalimumab zur Behandlung rheumatischer Erkrankungen wachsen die Einsparungen. Im Jahr 2020 haben die gesetzlichen Krankenkassen durch den Einsatz von Biosimilars bei diesen Wirkstoffen mehr als 500 Millionen Euro eingespart. Die im April 2021 eingeführten Festbeträge werden die Kosten weiter senken.

Grund 2 — Dank Biosimilars können mehr Patientinnen behandelt werden

Seit Biosimilars auf dem Markt sind, haben mehr Patienten Zugang zu den sonst sehr kostspieligen Biologika-Therapien. Die Kosten für die gesetzlichen Krankenkassen steigen aber unterm Strich trotzdem nicht.

Blickt man auf den Rheuma-Wirkstoff Adalimumab, wird deutlich: Im Jahr 2020 stieg die Anzahl der verordneten Tagestherapiedosen um 29 Prozent (von 17,18 auf 22,18 Millionen). Das aber erhöhte nicht die realen Kosten der Krankenkassen. Denn diese sanken im selben Jahr um elf Prozent (von 1,03 Milliarden auf 917 Millionen Euro).

Grund 3 — Biosimilars erreichen immer schneller hohe Versorgungsanteile

Ärzte vertrauen Biosimilars und setzen diese bereits in großem Umfang ein. So machen Biosimilars bei einigen Wirkstoffen schon mehr als die Hälfte der Verordnungen aus.

Blickt man auf alle Wirkstoffe, für die es ein Biosimilar gibt, wird deutlich: Der durchschnittliche Versorgungsanteil von Biosimilars liegt bei 57,8 Prozent. Tendenz steigend!

Was bedeutet die automatische SUbstitution für die VErsorgung?

Wie die automatische Substitution abläuft, was soll sie bringen soll — und welche Folgen sie für Patientinnen und Patienten haben kann, erklärt dieser Film!

Grund 4 — Biosimilars durchdringen den Markt immer schneller

Im Laufe der Jahre haben Ärztinnen gute Erfahrungen mit Biosimilars gemacht und bringen sie jetzt immer schneller in die Versorgung. Dabei ist es ihnen wichtig, dass sie selbst die Patienten beraten und genau wissen, welches Präparat die Patientinnen bekommen.

War das Tempo, in dem ein Biosimilar den Markt durchdringt, zu Beginn noch verhalten, beschleunigt es sich mit jedem Biosimilar, das auf den Markt kommt. So dauerte es bei Infliximab (eingeführt 2015) noch 26 Monate bis Biosimilars die Hälfte der Marktanteile erreicht hatten. Bei Rituximab (eingeführt 2017) waren es dann nur noch elf Monate.

Grund 5 — Biosimilars führen schon jetzt zu massiv sinkenden Preisen

Wo immer ein oder mehrere Biosimilars auf den Markt kommen, sinken die durchschnittlichen Kosten einer Tagestherapiedosis.

Ein Beispiel: Die Entwicklung der Kosten beim einzigen Blockbuster Humira® (Wirkstoff: Adalimumab): Die Kosten für die Tagestherapiedosis sind von 2018 — das Jahr, in dem Biosimilars auf den Markt kamen — bis Ende 2020 um fast ein Drittel gefallen.

Grund 6 — Biosimilars sind bereits größtenteils unter Rabattvertrag

Die Kosten für die Kassen sinken nicht nur, weil Biosimilars per se günstiger sind. Sie sinken auch wegen der erzielten Rabatte, die die Hersteller ihnen gewähren. Die Zahl der Biosimilars, die unter Rabattvertrag sind, steigt stetig an. Sie liegt inzwischen bei 85 Prozent.

Zum Hintergrund: Mit Inkrafttreten der automatischen Substitution können die Krankenkassen ihre Rabattverträge mit nur einem einzigen Hersteller abschließen. Das soll die Höhe der erzielten Rabatte zusätzlich steigern. Denn dann erhält nur noch ein einziger den Zuschlag in der Ausschreibung — und zwar der, der den günstigsten Preis bietet.

Grund 7 — Biosimilars haben diversifizierte PRoduktionsStandorte

Biosimilars stehen für maximale Versorgungssicherheit. Vorübergehende Lieferengpässe konnten stets von anderen Herstellern ausgeglichen werden. Das liegt an einer perfekt diversifizierten Produktionslandkarte. Und einem starken Standort in Europa.

Aktuell liegt der europäische Marktanteil der in Deutschland benötigten Biosimilars (in Tagestherapiedosen) bei 56 Prozent. Zunehmend gibt es auch in Amerika und Asien Produktionsstätten – mit steigender Tendenz. Die Vielfalt der Produktionsstandorte ist ein Garant für resiliente Lieferketten und eine verlässliche Versorgung der Patientinnen und Patienten.

Herstellungsstaetten Biosimilars

Grund 8 — Die automatische Substitution bringt Entwicklungen wie auf dem GEnerika-Markt

Die automatische Substitution soll noch höhere Einsparungen bringen. Sie macht es möglich, dass die Krankenkassen exklusive Rabattverträge mit den Herstellern abschließen können, was die Höhe der Rabatte noch deutlich steigert.

Dass das gefährlich für die Versorgungssicherheit ist, zeigt die Entwicklung bei Generika. Hier hat der Kostendruck zur Abwanderung der Produktion nach China und Indien geführt. Es sind globale Lieferketten entstanden, die immer effizienter und dabei immer störanfälliger wurden. Die Folge sind — und darunter leiden vor allem die Patienten — immer wieder Lieferengpässe, die sich zuweilen bereits zu Versorgungsengpässen ausgeweitet haben.

Derzeit diskutiert die Politik Ideen, um die Produktion von einzelner Wirkstoffe zurück nach Deutschland zu holen. Und während sie dort versucht, eine gefährliche Entwicklung wieder rückgängig zu machen, macht sie bei den Biosmilars denselben Fehler zum zweiten Mal. Sie bewegt sich auf denselben Kreislauf zu, in den sie auch bei Generika geraten ist. Ein Kreislauf, der mit dem Wunsch nach Einsparungen beginnt, das Instrument der Exklusivverträge benutzt, die Abwanderung riskiert — und dann erkennt, dass der Kostendruck wieder abzuschwächt werden muss.

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