Marktdaten

Oktober 2016

Mit den monatlichen Marktdaten informiert die AG Pro Biosimilars kontinuierlich über Entwicklungen und Veränderungen auf dem deutschen Biosimilarmarkt.

Neue Studie veröffentlicht: 10 Jahre Biosimilars – Lessons learned

2016 hat sich die Einführung des ersten Biosimilars in Deutschland zum zehnten Mal gejährt. Dieses Jubiläum hat die Arbeitsgemeinschaft Pro Biosimilars zum Anlass genommen, eine Studie bei der Beratungsfirma Simon Kucher & Partners in Auftrag zu geben, die die Entwicklung der vergangenen 10 Jahre analysiert, Chancen der Biosimilars für die Patientenversorgung und das Gesundheitssystem dokumentiert und Wege aufzeigt, um die Potentiale der Biosimilars noch besser zu nutzen.

Michael Dilger, Studienleiter und Partner bei Simon Kucher & Partners, fasste die wichtigsten Ergebnisse der Studie im Rahmen der heutigen Pressekonferenz zusammen.

Biosimilars leisten demnach einen wesentlichen Beitrag zur langfristigen Biologikaversorgung – dies sollte durch einen Steuerungsrahmen berücksichtigt werden, der nachhaltigen Wettbewerb ermöglicht.

Zielvereinbarungen, also zwischen Krankenkassen und den regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen vereinbarte Maßnahmen zum verstärkten Einsatz von Biosimilars, sind bei richtiger Umsetzung ein nachhaltiges Steuerungsinstrument, mit dem bei gleicher Versorgungsqualität spürbare Einsparungen für unser Gesundheitssystem erzielt werden.

Zentrales Element dieser Zielvereinbarungen sind Information und Beratung der Ärztinnen und Ärzte durch Kassenärztliche Vereinigungen und Krankenkassen sowie die Vereinbarung von Versorgungsanteilen. Die Studie zeigt anhand von Experteninterviews weiterhin, dass Krankenkassen und KVen möglichen Kooperationen mit Biosimilarunternehmen zur gemeinsamen Information positiv gegenüber stehen.

Das Vertrauen in Biosimilars ist im Laufe der zehn Jahre gestiegen, der Informationsbedarf, insbesondere über die neuen Biosimilars, wird aber immer noch als hoch eingeschätzt. Die Zulassungsbehörden sind daher insbesondere für Ärztinnen und Ärzte eine wertvolle Quelle für unabhängige und objektive Informationen, wodurch das Vertrauen in Biosimilars weiter gefördert wird.

Abschließend zeigt die Studie, dass sich Selektivverträge ebenfalls zur Förderung von Biosimilars eignen können, wenn sie dem Arzt positive Anreize zur Verordnung von Biosimilars setzen und für ihn erkennbar wird, dass die Verordnung eines Biosimilars für das Gesundheitssystem in jedem Fall wirtschaftlich ist.

Dr. Andreas Eberhorn, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Pro Biosimilars, kommentiert die Studienergebnisse: „Wir können mit Fug und Recht sagen, dass die Biosimilars in Deutschland in der Versorgung angekommen sind. Das Vertrauen in die Biosimilars ist gewachsen und wächst mit jedem Behandlungserfolg weiter. Die Studie hat aber einmal mehr gezeigt, dass die Potenziale von Biosimilars für die Patienten und das Gesundheitssystem bei weitem noch nicht ausgeschöpft sind. Simon Kucher & Partners weisen daher auch auf Instrumente hin, die helfen, Biosimilars stärker in die Versorgung zu bringen. Insbesondere regionale Zielvereinbarungen, die eine intensive Information und Beratung mit konkreten Zielvorgaben verbinden, können dazu beitragen, wie das Beispiel der KV Westfalen-Lippe eindrucksvoll belegt. Auch der Pharmadialog hatte diesen Weg als „best practice“ bezeichnet. Gute Gründe also, die Chance jetzt zu nutzen und dieses erfolgreiche, aber bislang nur regional eingesetzte Modell mit dem GKV-Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz bundesweit auszurollen.“

 

Bork Bretthauer, AG Pro Biosimilars / Dr. Andreas Eberhorn, Vorsitzender AG Pro Biosimilars / Michael Dilger, Simon-Kucher & Partners / Elmar Esser, Moderator
Bork Bretthauer, AG Pro Biosimilars / Dr. Andreas Eberhorn, Vorsitzender AG Pro Biosimilars / Michael Dilger, Simon-Kucher Partners / Elmar Esser, Moderator

Starke Differenzen in den Versorgungsanteilen von Biosimilars

Beim diesjährigen Rheumakongress in Frankfurt am Main wurde erneut deutlich: Biologika haben die Therapiemöglichkeiten für die Patientinnen und Patienten in den vergangenen Jahren erheblich erweitert. Allerdings werden diese auch zu einem erheblichen Kostenfaktor für die gesetzlichen Krankenkassen. Der Ablauf von Patenten ermöglicht jedoch den Einsatz von preisgünstigeren Nachfolgepräparaten in der Rheumatherapie, den sogenannten Biosimilars.

Professor Dr. med. Hanns-Martin Lorenz, 1. Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, begrüßte im Rahmen des Kongresses diese Entwicklung. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie schließe sich der Meinung der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft an und unterstütze die Einführung und Verwendung von Biosimilars gerade auch angesichts der enormen Kosten, die mit biologisch hergestellten Medikamenten verbunden seien.[1]

Für die in der Rheumatherapie eingesetzten Wirkstoffe Infliximab und Etanercept sind bereits Biosimilars verfügbar. Allerdings werden die Potenziale für die Versorgung noch nicht durchgehend genutzt. Die Versorgungsanteile unterscheiden sich in erheblichem Maße zwischen den verschiedenen KV-Regionen: Bei Infliximab (seit Februar 2015 verfügbar) von 10,2 bis 47,3 Prozent bei Etanercept (seit März 2016 verfügbar) von 0,9 bis 19,6 Prozent (vgl. Grafik).

„Durch die konsequente Anwendung von Best Practices, die intensive Information der Verordner und die Umsetzung regionaler Zielvereinbarungen ließen sich die Versorgungsanteile von Biosimilars deutlich erhöhen“, sagte Dr. Andreas Eberhorn, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Pro Biosimilars. „Bei gleicher Versorgungsqualität könnten so enorme Einsparungen für die gesetzlichen Krankenkassen erzielt werden.“

[1] Quelle: http://dgrh-kongress.de/fileadmin/media/kongress/Pressekonferenz/Pressemappe_DGRh_Vorab-PK_F.pdf

 

Versorgungsanteile
Grafik Biosimilarversorgungsanteile

 

Patentabläufe von Biopharmazeutika bringen Chancen für Patientenversorgung und Finanzierbarkeit

In den kommenden drei Jahren (2016-2018) laufen Biopharmazeutika mit einem Umsatzvolumen von 1,3 Milliarden Euro auf dem deutschen Markt aus dem Patent, so eine Berechnung von INSIGHT Health. Somit können biotechnologisch hergestellte Nachfolgepräparate, sogenannte Biosimilars, in die Versorgung gebracht werden.

„Der damit verbundene Preiswettbewerb ermöglicht eine nachhaltige Finanzierbarkeit der Patientenversorgung mit diesen modernen und hochwirksamen Medikamenten“, so Dr. Andreas Eberhorn, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Pro Biosimilars.

Besonders angesichts steigender Arzneimittelausgaben für neue Medikamente gelte es, auch die potentiellen Einspareffekte durch Biosimilars zu nutzen, so Eberhorn weiter. Dafür seien jedoch ein funktionierender Wettbewerb und faire Bedingungen ausschlaggebend. Dieser könne beispielsweise durch eine „Stunde Null“ ohne „patentverlängernde“ Exklusivverträge mit dem Erstanbieter, eine rabattvertragsfreie Periode nach Patentablauf und regionale Zielvereinbarungen zwischen Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen zum Einsatz von Biosimilars gefördert werden.